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Brennessel Urtica dioica
Sie zählt zu bekanntesten "Unkräutern" und die meisten von Ihnen sehen Sie sicher lieber von fern, als von nah; auch hat sich sicherlich schon jeder mal
an Ihr "verbrannt". Die glasartigen Brennhaare brechen bei leichter Berührung ab und spritzen, wie eine Injektionsnadel, Toxalbumine und Histamine unter die Haut.
Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Brennessel bei den wenigsten zur Lieblingspflanze gehört. Ein gutes Gegenmittel für das Verbrennen ist der Ampfer (Rumex), der meist in der Nähe der Nesseln wächst. Man zerdrückt ein paar Blätter davon und reibt die betroffenen Stellen mit dem Saft ein. Noch besser soll allerdings Springkraut/Impatiens (egal welcher Art) helfen; dessen Säfte sollen dem Histamin entgegen wirken.
Die Brennessel, die im Mai ihre ersten kleinen grünen hängenden Blüten zeigt, ist jedoch mehr, als nur ein
lästiges Unkraut. Die Brennessel gehört seit langer Zeit zu unseren Heilpflanzen, enthält sie doch Flavonoide,
Cartinoide, Vitamine, Mineralien, Pflanzensäuren, Beta-Sitosterin und in den Brennhaaren das Histamin. Die
jungen Brennesseln sind eine wertvolle Beigabe zu Gemüse- und Kräutersuppen, aber auch als Brennesselsuppe
allein sehr schmackhaft. Das wußten schon unsere Vorfahren, die alle im Frühjahr gerne das Brennesselkraut zu
sich nahmen. Und sie taten gut daran, denn die Brennessel ist ein ausgezeichnetes Mittel zur Anregung des
gesamten Stoffwechsels. Sie entschlackt den Körper und ist daher als Frühjahrskur sehr gut geeignet.
Brennessel hat ferner positive Wirkung auf Leber und Galle sowie bei Rheuma und Gicht. Sie wirkt harntreibend
und kann auch bei Prostatabeschwerden nützlich sein. Vom BGA anerkannt ist die Wirkung zur Erhöhung der
Harnmenge und zur Behandlung von Beschwerden beim Wasserlassen. In der Homöopathie wird Urtica urens
(Kleine Brennessel) bei Hautauschlägen, leichten Verbrennungen und Sonnenbrand eingesetzt, aber auch gegen Rheuma und Gicht wird sie (als Urtinktur) gebraucht.
Brennessel ist auch oft Bestandteil von Haarwasser und Shampoons, zur Pflege des Haarbodens.
Vor allem 2 Arten wachsen in unseren Breiten, zum einen die allgemein bekannte Große Brennessel (Urtica
dioica) und die schon erwähnte Kleine Brennessel, Urtica urens. Weiterhin kommen vor Urtica pilulifera, die Pillen
-Brennessel und Urtica kioviensis, die Sumpf-Brennessel. Diese beiden Arten werden aber in der Heilkunde nicht
verwendet. Der Gattenungsname Urtica stammt vom lateinischen urere für brennen, dioica bedeutet zweihäusig (weiblich und männlich Blüten befinden sich auf verschiedenen Pflanzen).
Brennessel kann man übrigens auch zur Stärkung anderer Pflanzen im Garten verwenden. Dazu setzt man die
sogenannte Brennesseljauche an. Man füllt Brennesseln in einen nicht metallischen Bottich (z. B. ein
Sauerkrautfass aus Plastik) und füllt Regenwasser auf. Nun beginnt ein Gärungsprozess, der allerdings auch
recht stark stinkt. Etwas Abhilfe schafft da eine Handvoll Steinmehl. Ist die Jauche nach 3 Wochen fertig,
vermischt man sie im Verhältnis 1:10 mit Wasser und gießt und spritz seine Pflanzen damit. Insbesondere bei
Starkzehrern wie Tomaten und Kohl ist die Jauche nützlich. Die Pflanzen sollen aber nicht nur besser gedeihen, sie sind wohl auch nicht so anfällig auf Insektenfraß und Pilzdruck.
Wir sehen also, unsere Brennessel ist doch viel nützlicher, als sie den Anschein hat.
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