|
Standort und Verbreitung:
Die Pflanze wächst auf feuchten Wiesen und Weiden. Sie hat ihr Verbreitungsgebiet in Mittel-, West- und Südeuropa.
Giftstoffe, Wirkung und Symptome:
Die Herbstzeitlose enthält das Gift Colchicin, das Ähnlichkeiten mit Arsen aufweist. Vergiftungen mit der Pflanze sind nicht selten. Da die Herbstzeitlose
häufig auf Weiden wächst, ist sie bei der Heuernte für Kinder eine besondere Gefahr, wenn sie mit der Pflanze spielen. Als tödliche Dosis gelten
2-5 g der Samen (10-20 mg der Giftstoffe). Die ersten Symptome einer Vergiftung beginnen nach 2-6 Stunden. Zuerst kommt es zu Schluckbeschwerden und zu Kratzen und Brennen
im Mund- und Rachenbereich. Es stellen sich Erbrechen, Krämpfe und auch blutige Durchfälle ein. Weiterhin erfolgt Kreislaufschädigung, die sich durch Abfallen der Körpertemperatur, sowie
des Blutdrucks bemerkbar macht. Nach 1-2 Tagen tritt dann der Tod durch Atemlähmung ein. Der Patient ist bis zuletzt bei vollem Bewußtsein.
Vergiftungen entstehen durch Verwechslung der Blätter mit Wildsalat oder der Zwiebelknolle mit der Küchenzwiebel. Es wird auch berichtet, dass es zu Vergiftung mit tödlichem
Ausgang kam, nachdem Milch von Schafen und Ziegen getrunken wurde, die vorher Blätter der Herbstzeitlose gefressen hatten. Colchizin ist ein Zellgift, welches die normalerweise
erfolgende Trennung der Chromosomen bei der Meiose (Reduktionsteilung) verhindert.
Tiergiftig:
Die Herbstzeitlose ist giftig für folgende Tierarten: Pferde, Rinder und Kühe, Schafe, Ziegen, Hunde und Katzen, Nager, wie z. B. Kaninchen und Hasen, Meerschweinchen und Hamster sowie auch für Vögel.
Bei den Großtieren sind besonders Pferde und Schweine gefährdet; Rinder und Schafe reagieren nicht ganz so empfindlich. Vergiftung kann im Sommer auftreten, wenn die Tiere die Pflanze
mit den Samenkapseln fressen und im Herbst durch die Blüten. Vergiftungssymptome sind Verweigerung der Nahrung, Rinder kauen kaum noch wieder, Erbrechen, Speichelfluß, Schweißausbrüche,
Koliken und blutiger Durchfall. Es kommt weiterhin zu Kreislaufstörungen und zu Lähmungen. Der Tod tritt bei entsprechend starker Vergiftung nach 1 - 3 Tagen durch Atemlähmung ein. Das
Gift wird auch über Milch der Tiere ausgeschieden und kann so auch den Menschen schädigen. Die tödliche Dosis liegt bei Rinder bei 1,5 - 2,5 Kg des frischen Krautes, bzw. bei 2 - 2,5 Kg
der getrockneten Pflanzen. Bei Pferden und Schweinen liegt die tödliche Dosis deutlich darunter.
Heilwirkung und Medizinische Anwendung:
Das Colchicin wird medizinisch bei Gicht verwendet. Auch die Homöopathie nutzt die frische Knolle und die Samen bei Gicht und Rheuma.
Name:
Da die Pflanze im Herbst und somit "außerhalb der Zeit" blüht, erhielt sie den Namen Herbstzeitlose. Hieronymus
Bock (1498-1554) beschreibt die Pflanze: "Etliche nennen dise blumen nacket huren, dieweil sie on kleider oder
on kraut erscheinen". So wurde sie auch Herbstvergessene und Zeitlose genannt. Weitere Namen sind Herbstlilie, Wintersafran, Michelsblume und Winterhauch.
Den Gattungsnamen Colchicum erhielt die Pflanze nach der Landschaft Colchis am Schwarzen Meere, in der
auch die Zauberin und Giftmischerin Medea zu Hause war. Dioscurides beschrieb als erster die in dieser Gegend heimische Herbstzeitlosenart Colchicum variegatum.
Der Artname autumnale leitet sich von dem Wort autumnus für Herbst ab und bezieht sich auf die Blütezeit der Pflanze.
Geschichtliches:
Dioscurides beschrieb schon Colchicum-Arten in seiner "De materia media". Die Pflanzen wurden damals zu Heilzwecken, wie auch zu Giftmorden benutzt.
Auch im Mittelalter nutzte man die Wirkungen der Herbstzeitlose, vorwiegend zur Gichtbehandlung. Als Heilmittel
gegen Pest, wenn auch ohne den gewünschten Erfolg, wurde die Wurzel um den Hals getragen.
Auch Hieronymus Bock schreibt über diese Pflanze, er warnt aber eindringlich vor ihrem Gebrauch.
Tabernaemontanus weiß zu berichten das die Herbstzeitlose von Apothekern mit anderen Pflanzen verwechselt
wurden und: "... welches ein grosser Irrthum und Verderben der Krancken / weil diese Wurzel im Leib gifftig / die den Menschen tödtet/ ..."
|