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Standort und Verbreitung:
Roter Fingerhut wächst auf Waldlichtungen, an Kahlschlägen sowie an Waldrändern. Die Pflanze ist kalkscheu und gedeiht am besten auf sandigem, stickstoffhaltigem
Lehmboden. Ihr Verbreitungsgebiet ist West- und Mitteleuropa. Häufig sieht man den Roten Fingerhut als Zierpflanze in Gärten.
Giftstoffe, Wirkung und Symptome:
Fingerhut enthält vorwiegend in ihren Blätter die hochgiftigen Digitalisglycoside. Es sind besonders Kinder gefährdet,
die mit den Blüten oder Blättern spielen und sie dabei in den Mund stecken. Aus diesem Grunde ist es Familien mit kleinen Kindern abzuraten, den Roten Fingerhut im Garten anzupflanzen.
Der Gehalt der Glycoside schwankt je nach Tages- und Jahreszeit zwischen 0,1 und 1 %. Nachmittags ist der Gehalt höher als am Vormittag. Die Symptome einer Fingerhutvergiftung
sind Übelkeit und Erbrechen, das tagelang anhalten kann. Es erfolgen Sehstörungen, verminderte Pulsfrequenz, teilweise unter 50 Schlägen, im weiteren Vergiftungsverlauf auf unter 20
Schlägen pro Minute sinkend. Trotzdem steigt der Blutdruck an, es kommt zu Herzrythmusstörungen, letztlich kann der Tod durch Herzstillstand eintreten
. Die tödliche Dosis liegt etwa bei 2,5 g der Blätter, wenn auch die roten Blüten
auf Kinder eine größere Anziehung ausüben. Eine weitere Gefahr sind Hummeln oder Wespen, die in den glockigen Blüten nach Honig suchen und von Kindern daher nicht gleich zu sehen sind.
Tiergiftig:
Alle Digitalis-Arten sind giftig für Pferde, Rinder und Kühe, Ziegen, Hunde und Katzen, Nager, wie z. B. Hasen und Kaninchen, Meerschweinchen und Hamster sowie
für Vögel. Vergiftung zeigt sich in Erbrechen, blutigem Durchfall; die Tiere sind benommen und taumeln, es kommt zu Herzrhythmusstörungen und bei entsprechend starker Vergiftung zum
Herzstillstand. Für Pferde liegt die Tödliche Dosis bei 25 g der getrockneten und 100 - 200 g der frischen Blätter. Rinder können bis zu 150 g der getrockneten Blätter vertragen; für
Hunde allerdings sind 5 g bereits tödlich.
Heilwirkung und Medizinische Anwendung:
Die aus dem Roten Fingerhut gewonnenen Digitalispräparate sind die bekanntesten Herzmittel. Sie kräftigen den Herzmuskel und beeinflussen den Herzschlag.
Allerdings ist eine genaue Dosierung mit Digitalis schwierig, da die Grenze zwischen heilender und tödlicher Dosis (um das 1,5 - 3fache) sehr eng liegt.
Name:
Ihrer Blütenform wegen nannte man die Pflanze Fingerhut. Darauf bezieht sich auch der lateinische Gattungsname Digitalis (digitabulum - Fingerhut). Der Artname
purpurea bedeutet rot. Weitere Bezeichnungen für den Fingerhut waren Fingerglöckerln, Waldglocke, Waldschellen und Potschen.
Geschichtliches:
Der Fingerhut war im Altertum unbekannt. Er soll zuerst im 5. Jahrhundert in Irland heilkundlich genutzt worden sein. Man nannte die Pflanze damals
"Frairie`s Herb" und versuchte mit ihr "verhexte" Kinder zu heilen, was oft tödlich endete. Seit dem 11. Jahrhundert wurde der Fingerhut in England angewandt und fand
1650 Eingang in die Londoner Pharmakopöe. Man gebrauchte die Pflanze damals zur Behandlung von Geschwüren. Leonhard Fuchs und Hieronymus Bock erwähnten den Fingerhut als Brech- und
Abführmittel. Diese Wirkungen beruhten auf Vergiftungen und es kam auch zu Todesfällen. Der Fingerhut geriet dadurch als Droge in Verruf. Im Jahre 1786 entdeckte der Schotte William
Withering die richtige Dosierung sowie die herzstärkende Wirkung der Pflanze, nachdem er sie zuerst bei Wassersucht verwendete.
Seinen Siegeszug begann der Rote Fingerhut, nachdem es gelang die wirksamen Digitalisglycoside zu isolieren.
Der Großblütige Fingerhut und der Gelbe Fingerhut sind geschützt!
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