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Standort und Verbreitung:
Man findet die Pflanze auf Wegen, an Mauern und auf Schuttplätzen; sie braucht sehr stickstoffhaltigen Boden.
Es wächst in ganz Europa, ist aber ziemlich selten zu finden.
Giftstoffe, Wirkung und Symptome:
Das Bilsenkraut enthält das stark giftige (S)-Hyoscyamin und Scopolamin. Diese Giftstoffe finden sich auch in der Tollkirsche und im Stechapfel Die höchste Wirkstoffkonzentration ist in den Samen enthalten, bereits 15 Samenkörner können für Kinder tödlich wirken. Die Samen des
Bilsenkrautes sind leicht mit Mohnsamen zu verwechseln. Die Vergiftungserscheinungen sind ähnlich der Tollkirsche, wenn auch Pupillenerweiterung, fehlendes Erbrechen, gerötete und
trockene Haut sowie Trockenheit der Schleimhäute in Mund und Rachen nicht unbedingt Eintreten müssen, aber durchaus möglich sind. Im Vordergrund steht beim Bilsenkraut die narkotische
Wirkung der Gifte, so daß es zur Pulsbeschleunigung, zu Bewußtseinsstörungen sowie zu Bewußtlosigkeit und narkoseähnlichem Schlaf kommt. Es sind auch Weinkrämpfe, Rededrang und
Tobsuchtsanfälle möglich. Bei entsprechender Vergiftung kann der Tod eintreten.
Tiergiftig:
Vergiftungen bei Tieren sind selten. Gefährdet sind Pferde, hier liegt die tödliche Dosis bei ca. 300 g der frischen Pflanze. Vergiftungssymptome sind Schnelle Atmung, starker Durst,
Verstopfung, Lähmung von Gliedern und Tobsucht. Weiterhin gefährdet wären Kleinstsäuger, Hasen, Kaninchen und andere Nager, wie Hamster und Meerschweinchen, aber auch Vögel.
Heilwirkung und Medizinische Anwendung:
Das Bilsenkraut wird zur Krampflösung (Epilepsie und Asthma), bei Luftwegserkrankungen (Bronchialkatarrhe, Hustenstiller), bei Ohrenschmerzen, Augenentzündungen
und auch als Beruhigungsmittel eingesetzt. Es ist eines der ältesten Narcotica.
Name:
Weitere Namen für diese Pflanze waren Bilselsamen, Bilsen, Binselkraut, Tollkraut und Raasewurz. Ferner nannte man die Pflanze auch Zankkraut, Hühnertod und
Hundsgift. Im keltischen wurde das Bilsenkraut "Bilisa" und bei den Galliern "Belenuntia" genannt. Der Bezug dieser Bezeichnungen ist wohl Bel oder
Belenos, der keltische Sonnengott oder der Nordgermanisch Baldur. Der griechische Gattungsname Hyoscyamus heißt übersetzt Schweinebohne und bezieht sich auf die Ähnlichkeit der
Samenkapseln. Der Artname niger verweist auf die schwarze Farbe der Samen.
Geschichtliches:
Das Bilsenkraut soll schon bei den Babyloniern, im alten Ägypten und im alten Persien für seine Wirkung bekannt gewesen sein.
Im Altertum wurden zahlreiche Giftmorde durch sie verübt und Wahrsager versetzten sich mit ihr in Trance. Dioscurides empfiehlt das Bilsenkraut vorwiegend als Schmerzmittel und auch
Plinius weiß über seine Wirkung zu berichten Im Mittelalter spielte die Pflanze aber nicht nur als Schmerzmittel eine Rolle, in den Operationssälen der damaligen Zeit wurde sie als
Narkosemittel verwendet. Auch im Aberglauben und Hexenkult der damaligen Zeit spielte Bilsenkraut eine wichtige Rolle. So war es, zusammen mit der ähnlich wirkenden Tollkirsche und dem Stechapfel sowie allerlei anderen Pflanzen und Zutaten ein wichtiger Bestandteil der Hexensalben. Die auftretenden Rauschzustände ließen die Benutzer glauben, daß sie sich in Tiere verwandelten und fähig waren durch die Luft zu fliegen. Ähnliche Beobachtungen sind in Selbstversuchen bestätigt und auch eine Vergiftung mit Bilsenkraut zeigt ähnliche Symptome.
Hieronymus Bock weiß unter anderem zu berichten, daß Bilsenkraut zum Fischfang diente: "Also das sie (die Fische) daruon doll werden / springen auff und keren zuletzt das weiß
obersich / das sie mit den Händen inn solcher dollheit gefangen werden." Und das sich das Fahrende Volk damals des Bilsenkrautes zum Fangen von Hühner bediente: "Die Hüner auff
den balcken fallen heraber / wann sie den rauch von Bülsen gewar werden. Solche künstlein treiben die Zigeiner und ihre gesellschafft." Matthiolus schreibt, er habe Bauernkinder
gesehen, die sich nach dem Verzehr von Bilsenkrautsamen derart unsinnig benommen hätten, daß die Eltern dachten, ihre Kinder wären vom bösen Geist befallen. Auch dem Bier wurde das
Bilsenkraut zugesetzt, um seine berauschende Wirkung zu verstärken. Eine Polizeiordnung aus Eichstätt in Mittelfranken verfügt, daß es den Brauern bei einer Strafe von 5 Gulden verboten
ist Samen, Asche oder Kraut ins Bier zu mischen.
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