|
Standort und Verbreitung: Die Pflanze wächst auf feuchten Wiesen, an Wald- und Wegrändern und an Ufergebüschen. Sie ist in ganz Europa verbreitet.
Giftstoffe, Wirkung und Symptome: Johanniskraut enthält unter anderem Hypericin, Hyperosid, ätherisches Öl, Gerbstoffe. Für den Menschen ist die Pflanze ungiftig.
Tiergiftig: Der Wirkstoff Hypericin bewirkt bei hellen Tieren, wie Pferden, Rindern, Kühen und Schafen, die anschließend dem Licht ausgesetzt sind (Photosensibilisierung) entzündliche Rötung der Haut und Geschwüre. Die Tiere werden unruhig, wälzen sich, Lippen und Kinn schwellen an. Bei schwerer Vergiftung sind Todesfälle möglich. Eine Vergiftung für helle Meerschweinchen, Ratten und Mäuse ist möglich. In Tierversuchen wurde einer Ratte 1 mg reines Hypericin gespritzt, nach 2 Stunden Sonnenbestrahlung starb das Tier.
Heilwirkung und Medizinische Anwendung: Johanniskraut gilt als pflanzliches Anti-Depressivum. Eine interessante Seite, die sich mit Therpiemöglichkeiten bei Depressionen befasst, finden Sie >> hier. Johanniskraut wirkt stimmungsaufhellend und beruhigend und wird gerne in den Wechseljahren eingesetzt. Auch Bettnässen kann man mit der Pflanze behandeln. Johanniskrautöl wirkt gut bei Rheuma und Hexenschuß, fördert die Wundheilung, wirkt schmerzlindernd bei Verstauchungen, bei Blutergüssen und Gürtelrose. Man nutzt die Pflanze weiterhin bei Schlaflosigkeit und Menstruationsbeschwerden. Bei Tee- oder Ölkuren sollte pralles Sonnenlicht gemieden werden.
Name: Da die Pflanze um “Johanni” (24. Juni) blüht, erhielt sie ihren Namen. Sie wird als Hartheu oder Tüpfel-Hartheu bezeichnet. Der botanische Gattungsname Hypericum stammt aus dem griechischen. Das griechische Wort hypér bedeutet groß, eréike heißt Heidekraut. Die Bedeutung ist, das Hypericum zwischen dem Heidekraut wächst und sich darüber erhebt.
Geschichtliches: In den alten Kräuterbüchern wird das Johanniskraut lobend erwähnt. So schreibt Tabernaemontanus (1520 - 1590): “Diß Wasser ist gut und heilet alle innerliche und äusserliche Wunden/ davon [Morgends und Abends] getruncken/ [damit gewaschen] und das Wasser äusserlich aufgeschlagen. Das Wasser mit Päonienwasser getruncken/ alle Tag zwey oder dreymal/ jedes mal zwey oder drey Loth/ ist gut für die Fallendsucht/ [und den Schlag.] Das Wasser mit rothem Wein vermischet/ und davon getruncken/ stopffet die Bauchflüß und rothe Ruhr/ [wie dann auch mit einem Tuch auf den Bauch gelegt.]” und weiter über das Johanniskrautöl: “Die Apothecker und auch die Wundärtzte pflegen ein köstlich Oel aus dieses Krauts Blumen zu machen: welches man aber auf schlechte Weiß also präparieren soll: Nim der frischen Blumen so viel du wilt/ thu sie in ein Glaß/ geuß Baumöl darüber/ stopffs oben zu/ und stelle es an die Sonne/ etliche Tag darnach seige das Oel ab/ truck die Blumen wol aus/ und thu andere frische darein/ setze es wiederum an die Sonn/ darnach trucke es aus wie zuvor/ solches thue etlich mal nach einander/ zu letzt stoß die Hplsen samt dem Saamen und lege sie auch in das Oel/ so wird das Oel schön blutroth:”
|